Verhaltenstherapie kann hilfreich sein

Verhaltenstherapie„Mit dem Schwindel umgehen lernen“, was habe ich diesen Satz gehört. Als Patient mit Vestibularisparoxysmie möchte man nicht lernen, damit umzugehen. Ich selbst möchte, dass dieser Schwindel wieder so verschwindet, wie er gekommen ist.

Ich konnte mir nie vorstellen, wie es sein soll, dass man lernt, mit dem Schwindel umzugehen. Die Schwindelattacken tauchen schließlich auf, wann sie wollen und auch wo sie wollen. Insgesamt habe ich mir bei jedem Neurologen-Termin anhören müssen, ich solle mich endlich mal für die Verhaltenstherapie anmelden. Ich finde, dass diese Art der Therapie kein Muss sein sollte. Jeder Patient darf selbst entscheiden, ob er diese Therapieform wählt.

Nach ca. 2 1/2 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, eine Verhaltenstherapie zu besuchen. Ich möchte nichts unversucht lassen und eigentlich möchte ich auch jedem erzählen, ob diese Art der Therapie mich vorwärts gebracht hat.

Verhaltenstherapie zeigt Erfolge

Meine Verhaltenstherapie hat zwischenzeitlich eine Pause, um auch nachvollziehen zu können, ob diese schon erste Erfolge zeigt und wenn ja, wie lange diese anhalten.

Ich hatte selbst immer große Probleme mit dem Einkaufen. Nicht nur, dass mir andere Leute mit ihren rollenden Einkaufswagen tierisch auf die Nerven gingen, sondern auch mit dem Schwindel, der sich wie immer pünktlich zum Start des Einkaufsbummels meldete.

Kaum hatte ich ein Bein in den Supermarkt gesetzt, ging es auch schon los. Anstatt die ganze Sache ruhig anzugehen, wurde ich immer hektischer und hinzu kam große Angst vor dem Schwindel. Mit der Verhaltenstherapie habe ich eine andere Sicht auf die Dinge bekommen. Ich habe gelernt, bewusster auf mich zu achten, vielleicht auch mal die Angst zuzulassen und auch stolz auf mich zu sein, wenn der Einkauf zwar mit Schwindel, aber ohne Angst vonstatten ging.

Vestibularisparoxysmie Patient gibt Rhythmus vor

Nach der Diagnose Vestibularisparoxysmie fiel es mir wirklich nicht leicht, mich allein auf den Straßen und in den Geschäften zu bewegen. Das führte irgendwann dazu, dass ich lieber mit anderen einkaufen ging und viele Dinge erledigte.

Natürlich ist ein gemeinsamer Einkauf immer besser, auch in Hinsicht auf Geborgenheit und Vertrauen, aber dennoch bin ich erwachsen und muss viele Dinge alleine geregelt bekommen.

Eine Verhaltenstherapie fängt eigentlich bei Null an und der Patient gibt den eigenen Rhytmus vor. Zu Beginn ist es wie eine Erzählung, wie sich der Schwindel äußert, dann werden gedankliche Brücken gebaut und Erklärungen, warum der Schwindel zu welcher Zeit auftrat, gibt es auch noch.

Da ich selbst sehr bissig bin, was das die gesundheitliche Genesung angeht, habe ich mich selbst getestet. Nach jeder Stunde der Verhaltenstherapie habe ich sozusagen noch eins oben drauf gesetzt. Ich bin anschließend allein los, habe Pflanzen gekauft oder Schuhe und habe mich voll in den Alltagsstress „geschmissen“. Natürlich hatte ich Angst! Nach einer gewissen Zeit habe ich mich allerdings selbst mal gefragt, wovor ich eigentlich solche Angst habe. Ist es die Angst, in Regale zu fallen? Ist es eher das Schamgefühl vor fremden Leuten, auch mal wankend durch den Supermarkt zu gehen oder doch eher zu sagen, dass man derzeit Schwindel hat?

Angstfrei den Alltag erleben

Die Angst hatte mich voll im Griff. Es kam mir vor, als würde sie schon kichernd in der Tasche sitzen und auf ihren Auftritt warten. Die Verhaltenstherapie hat mir zumindest die Augen so weit geöffnet, dass ich mittlerweile auch alleine losgefahren bin, um einkaufen zu gehen. Als Vestibularisparoxysmie Patient lernt man dazu und stellt sich auch auf verschiedene Licht- und Klimaverhältnisse beim Einkaufen ein. Wenn man dann noch die Angst im Griff hat, ist die Chance größer, auch mal schwindelfrei einkaufen gehen zu können.

Auch wenn die Stimmen diesbezüglich manchmal kritisch sind, so sollte sich jeder Patient mit einer Vestibularisparoxysmie selbst seine Meinung darüber bilden. Ich finde: Ausquatschen hilft immer, auch wenn es nur Worte über die Schwindelattacken sind, die uns tagtäglich so richtig auf die Nerven gehen.