Fahrrad fahren mit Schwindel?

Früher konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mal unter Schwindel leiden würde. Ich bin regelmäßig Fahrrad gefahren, habe Tischtennis gespielt und war auch so eigentlich sportlich ganz fit. Nun könnte ich sagen: Das Alter macht es mir schwer, aktiv zu bleiben. Aber so alt bin ich noch nicht, dass ich mich nur noch beschwerlich aufs Fahrrad setzen müsste. Jetzt mit der Vestibularisparoxysmie sieht es allerdings ein wenig anders aus.

Fahrraad fahrenFahrrad fahren hat für mich heute eine ganz neue Bedeutung. Es zählt für mich eher zum Ausdauersport und immer wieder frage ich mich, ob ich denn tatsächlich die 10 km-Marke knacke, ohne mit Schwindel vom Fahrrad absteigen zu müssen. Beim Fahrradfahren selbst hat mein Kopf nicht viel zu melden und die Vestibularisparoxysmie gibt tatsächlich Ruhe. Aber auch nur so lange, wie ich im gleichen Tempo bleibe. Das Fahrradfahren auf Berge ist eher beschwerlich und auch zu schnelle Touren eher belastend. Durch die Medikamenteneinnahme von Carbamazepin ist möglich, dass ich auch mal komplett  schwindelfreie Tage habe, ohne, dass es mich dreht oder schwankt. Und an diesen Tagen habe ich den Wunsch Fahrrad zu fahren. Eigentlich ist das schon wieder eine Herausforderung, denn  ich weiß, sobald ich vom Fahrrad absteige, habe ich das große Nachsehen. Und trotzdem probiere ich es. Meine Fahrradtour ist eigentlich nicht weit und endet meist um die Hausecke, sodass ich zur Not noch nach Hause laufen kann. Ich weiß, dass die Vestibularisparoxysmie mit dem Schwindel loslegt, sobald ich vom Fahrrad absteige. Diese Zeit plane ich sorgfältig ein und mache dementsprechend Pausen.

Ich weiß, dass es aus Sicherheitsgründen auch immer sinnvoll ist, einen Helm zu tragen. Aber wer trägt schon gerne Helm? Erstmal sind die optisch nicht der Renner und ich denke mir, so lange wie ich nicht auf der Straße fahre und an der Ampel stehen bleiben muss, darf ich ganz ungeniert ohne Helm durch den Wald fahren. Sollte es mich dennoch mal vom Fahrrad schleudern, werde ich wohl darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, einen Helm zu tragen.

An Schwindeltagen laufe ich lieber

Auch mit Medikamenten gibt es diese fürchterlichen Schwindeltage. Da dreht und schwankt es schon morgens im Bett. Ganz abgesehen davon, dass die Motivation an diesen Tagen nicht die beste ist, halte ich mich auch strategisch mit großen Aktivitäten zurück. Auch das Fahrradfahren ist dann nicht in meinem Sinn. Schließlich geht Sicherheit vor! Kritiker werden jetzt aufschreien und sagen, dass es unverantworlich ist, als Schwindelpatient überhaupt Fahrrad zu fahren. Im gewissen Sinne haben sie auch recht, die StVo schreibt schließlich dazu etwas vor. Und so sollte jeder, der am Straßenverkehr teilnimmt, sich selbst fragen, inwieweit er in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug führen bzw. Fahrrad zu fahren. Ich schätze das selbst ganz gut ein, inwieweit ich in der Lage bin, mich aufs Rad zu setzen. Das hat in den letzten Jahren super funktioniert. Und in erster Linie achtet man immer zuerst auf sich selbst, und schützt somit auch andere.