Fahrrad fahren mit Vestibularisparoxysmie

Fahrradfahren mit Vestibularisparoxysmie und das Absteigen können ohne Schwindel erfolgen. Voraussetzung ist die richtige Sitzhaltung, die Anpassung der technischen Details an die eigenen Bedürfnisse und das Probieren, welches Fahrrad das richtige für einen ist. Meinen alten Blogbeitrag habe ich nun überarbeitet.

Fahrradfahren mit Vestibularisparoxysmie: alter Beitrag und Update

Vor langer Zeit habe ich hier einen Blogbeitrag „Fahrradfahren mit Schwindel“ veröffentlicht. Wie es mit Themen aber manchmal so ist, braucht es ein Update. Im alten Beitrag habe ich noch lässig vom Fahrradfahren im Wald ohne Helm berichtet und wie das Absteigen nach einer Tour doch eher beschwerlich war.

Ein Auszug des alten Beitrages:

„Fahrradfahren hat für mich heute eine ganz neue Bedeutung. Es zählt für mich eher zum Ausdauersport und immer wieder frage ich mich, ob ich denn tatsächlich die 10 km-Marke knacke, ohne mit Schwindel vom Fahrrad absteigen zu müssen. Beim Fahrradfahren selbst hat mein Kopf nicht viel zu melden und die Vestibularisparoxysmie gibt mit ihrem Symptom Schwindel tatsächlich Ruhe. Aber auch nur so lange, wie ich im gleichen Tempo bleibe. Das Fahrradfahren auf Berge ist eher beschwerlich und auch zu schnelle Touren sind eher belastend.

Durch die Medikamenteneinnahme von Carbamazepin ist es möglich, dass ich komplett schwindelfreie Tage habe, ohne, dass es mich dreht oder schwankt. Und an diesen Tagen habe ich den Wunsch, Fahrrad zu fahren. Eigentlich ist das schon wieder eine Herausforderung, denn ich weiß, sobald ich vom Fahrrad absteige, habe ich das große Nachsehen.“

Update: Fahrrad fahren und absteigen geht auch ohne Schwindel

Warum ich nun ein Update poste, ist schnell erklärt: Ich habe ein neues Fahrrad. Zuvor hatte ich ein Mountainbike. Wie man dort draufsitzt, ist für die Vestibularisparoxysmie ein anheizender Faktor. Denn Wirbelsäule und Halswirbelsäule sind nicht in gerader Stellung. Die Halswirbelsäule ist beim Fahren soweit eingeknickt, dass der Kopf nach hinten neigt. Fährt man nun mit dem Mountainbike Hügel hoch und runter, auf Feldwegen mit Unebenheiten, auf Kopfsteinpflastern und Co. kann man sich nach dem Absteigen vom Fahrrad auf einen „Eierlauf freuen“.

Prinzipiell sollte jeder Patient mit einer Vestibularisparoxysmie darauf achten, dass der Kopf nicht erschüttert wird, sowie die Halswirbelsäule und Wirbelsäule gerade sind. Das gilt für alle Bewegungen.

Auf die Sitzhaltung kommt es an

Die Sitzhaltung (wie am PC) auf dem Mountainbike ist für uns Vestibularisparoxysmie-Patienten eher kontraproduktiv. Sattel und Lenker sind nicht auf einer Höhe. Üblicherweise ist der Lenker tiefer als der Sattel, sodass es zwangsläufig zu einer Fehlhaltung auf dem Fahrrad kommt. Nun könnte ein Mountainbike-Fahrer den Lenker auf die Höhe des Sattels bringen, aber das geht technisch nicht, es sei denn, er baut sich einen neuen Lenker mit längerem Vorbau an. Auch den Sattel auf die Höhe des Lenkers zu bringen, wäre nicht optimal. Denn die Beine sollten beim Fahren nur leicht angewinkelt sein.

Die Lösung ist dann wohl ein neues Fahrrad. Ich habe mich für ein Citybike entschieden, das einen tiefen Einstieg hat. Es war mir wichtig, dass Sattel und Lenker eine Höhe haben bzw. der Lenker höher als der Sattel ist, ich gerade auf dem Fahrrad sitze und dass ich, wenn es doch mal brenzlig wird, schnell und auch bequem absteigen kann.

Probefahrten vor dem Fahrradkauf empfehlenswert

Als ich im Fahrradladen stand, war ich ehrlicherweise ein bisschen überfordert. Ich wusste zwar, was ich so ungefähr wollte, aber die Flut an Fahrrädern war schon groß. Ich gebe es zu, das Design muss für mich auch stimmen. Schließlich fahre ich mit dem Fahrrad und kein anderer. Also technisch und optisch haben mir vor Ort drei Fahrräder zugesagt: Citybike, Hollandrad und Crossrad.

Ich hatte großes Glück, dass der Fahrradhändler eine Art Teststrecke hat, wo man ganz ungeniert Fahrradfahren kann. Das Crossrad war mir persönlich etwas zu wuchtig, das Fahren und Absteigen klappte aber gut. Mit dem Hollandrad hatte ich Probleme mit dem Schwindel beim Absteigen. Lenker und Sattel waren zwar in einer Höhe, aber das Fahrrad hatte irgendwie eine zu weiche Sattelfederung. Mit dem Citybike hat es von Beginn an gepasst, kein Schwindel beim Absteigen, Sattel und Lenker sind in der richtigen Höhe (Lenker höher als Sattel) und die Sattelfederung scheint genau die richtige für mich zu sein.

Fahrradfahren mit Vestibularisparoxysmie

Ein Citybike ermöglicht bequemes Auf- und Absteigen ohne Schwindel. Mit einem längeren Vorbau lässt sich der Lenker noch höher stellen, um die richtige Sitzhaltung zu gewährleisten.

Fahrrad fahren ohne Schwindel: yippie!

Ja, ich freue mich riesig über mein neues Fahrrad. Ich habe schon die ersten Touren hinter mir und ich hatte keine Probleme beim und nach dem Absteigen. Der Kopf hat Ruhe gegeben und ich tue mir sogar noch etwas Gutes für mein Gleichgewicht. Auch sind die nächsten Tage wie immer. Wenn ich da an die Zeit mit dem Mountainbike zurückdenke, habe ich jetzt die richtige Entscheidung getroffen.

Für die richtige ergonomische Anpassung des Lenkers und Sattels findest du zahlreiche Ergebnisse zu Empfehlungen in der Suchmaschine. Gebe dafür „Sitzhaltung Fahrrad ein.“ oder wende Dich an einen Fachhandel.

Fahrradhelm tragen: Sicherheit geht vor

Im alten Blogbeitrag ging es auch um das Tragen eines Fahrradhelms. Da ich nie mit dem Fahrrad auf der Straße fahre und eher ausgebaute Wald- und Wiesen- sowie Radwege nutze, gab es für das Helmtragen ein Für und Wider. Das ist natürlich nicht korrekt. Sicherheit geht immer vor. Ich habe den Kauf des neuen Fahrrades gleich genutzt und mir einen passenden Helm gekauft. Ich gebe zu, es ist eine gesunde Investition und ich nutze ihn jetzt bei jeder Fahrradtour.


Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Bevor Du Dich als Vestibularisparoxysmie-Patient aufs Fahrrad setzt, frage deinen behandelnden Arzt!