Liebe und Zärtlichkeiten

Liebe und zärtlichkeiten

Einen Partner an der Seite zu haben, ist eine Menge wert. Nicht nur, um nicht einsam vor sich hinzujammern, sondern auch, um Unterstützung zu erfahren. Jeder, der chronisch erkrankt ist, wird vom Wunsch nach Liebe und Zuneigung „ein Lied singen“ können. Eine Diagnose zu bekommen, und dabei spielt es nicht mal eine Rolle welche es ist, ist wohl alles andere als leicht zu verkraften. Dabei ist es nicht mal der Tag, an dem die Diagnose ihren Namen bekommt, sondern es ist alles drumherum – schließlich ist der Leidensweg oft lang und diese Zeit gemeinsam mit dem Partner zu überstehen, ist wirklich eine Herausforderung.

So beginnt es beispielsweise mit dem Tag, an dem die Symptome der Vestibularisparoxysmie auftreten. Schwindel und Unwohlsein – und das kontinuierlich. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der in diesen Momenten an seinen Partner denkt. Denn irgendwie ist man doch mit sich selbst beschäftigt. Im Nachhinein betrachtet, kann eine Beziehung nur fortbestehen, wenn beide Partner gemeinsame Prioritäten setzen. Es gibt Fälle, in denen eine Beziehung aufgrund einer Krankheit zerbrochen ist. Wahrscheinlich auch, weil die Ohnmacht des Partners und das Gefühl hilflos zu sein, viel größer ist.

Nicht zu wissen, was los ist, kann einen selbst als Patient mürbe machen und schlechte Laune ist wohl vorprogrammiert. Schließlich springt man morgens nicht mal mehr motiviert aus den Federn und lässt den Tag auch nicht mit Sonnenschein im Herzen starten. Es dreht sich wortwörtlich alles um den Schwindel, mal schwankend, mal drehend, mit Unwohlsein oder ohne. Dabei ist die eigene Enttäuschung oder vielleicht auch Wut, solch ein Krankheitssymptom abbekommen zu haben, besonders groß.

Es ist wichtig, dass der Partner an der Seite des Vestibularisparoxysmie-Patienten Geduld hat, Zuneigung und Unterstützung geben kann. Auch wenn wohl die Tage mit Gefühlen der Hilflosigkeit überwiegen, es werden bessere kommen, spätestens dann, wenn der Schwindel seinen Namen hat.

Zärtlichkeiten genießen

Im Bereich Therapie war bereits die Rede von Hyperventilation bei der Vestibularisparoxysmie. Diese entsteht bei zu schneller und auch zu tiefer Atmung. Wahrscheinlich werden sich jetzt einige fragen, wie eine Beziehung mit Liebe und Zärtlichkeiten funktioniert, schließlich ist die Atmung bei jedem Menschen mehr als wichtig. Die Hyperventilation wird auch mit Panikattacken in Verbindung gebracht. Aber Liebe und Zärtlichkeiten auszutauschen, bedeutet nicht, Panik zu bekommen! Es ist und sollte natürlich auch eine schöne Sache sein. Es kann dennoch vorkommen, dass sich der Schwindel mit mehreren Attacken bemerkbar macht. Aber auch in diesem Fall sollte auf eine gleichmäßige und ruhige Atmung geachtet werden. Der Partner kann selbst unterstützend wirken, indem er es so akzeptiert wie es ist und eine Pause hat noch niemandem geschadet. Mit Atemübungen und Ausdauersport kann man dem Schwindel in solchen Situationen vorbeugen und die vielleicht schönste Sache der Welt durchweg genießen.

Familienplanung

Liebe und Zärtlichkeiten

Es ist bei einer Vestibularisparoysmie möglich, eine geeignete Medikation zu erhalten und so die Lebensqualität zu steigern. Dennoch bleibt immer ein Rest. Die Intensität der Schwindelattacken lässt nach und der Alltag kann zumindest fortgeführt werden. Große Freude bei denjenigen, die das so erleben können. Dass Antiepileptika auch Nebenwirkungen aufweisen können, daran wird wohl erst mal nicht gedacht. Auch wird kein Wort über Kinderwunsch und Familienplanung verloren. Schließlich helfen die Medikamente und alles ist halbwegs schön. Wer bereits Kinder hat, beschäftigt sich wohl vielmehr mit den Gedanken, wie der Alltag mit einer Vestibularisparoxysmie bewältigt werden kann. Aber was ist mit denjenigen, die noch Kinder haben möchten und ernsthaft über Familienplanung nachdenken?

Ich habe mir anfangs keine Gedanken gemacht und war eher froh, dass mir die Medikamente helfen. Im Laufe der Zeit hörte ich aber immer öfter den Satz : „Ihre biologische Uhr tickt!“ Das hat mich nicht unbedingt bekräftigt, meine Familienplanung ohne quälende Gedanken fortzuführen. Die Fehlgeburtenrate bei der Einnahme von Carbamazepin liegt bei 2 %. Hört sich vielleicht erst mal nicht viel an, aber dennoch werde ich von Neurologen, Gynäkologen und Allgemeinmedizinern davor gewarnt, während der Einnahme von Carbamazepin, Kinder zu bekommen. Ist der Kinderwunsch so groß, dass eine Familienplanung immer näher rückt, so müsste die Medikation schleichend abgesetzt werden und dieser Prozess kann bis zu einem Jahr dauern.

Und dann? Was macht die Vestibularisparoxysmie ohne Medikamente? Laufe ich wieder an der Wand lang? Werde ich überhaupt in der Lage sein, ein Kind großzuziehen, es zu beschützen und auf seinem Lebensweg zu begleiten?

Und wieder höre ich: „Ihre biologische Uhr tickt!“