Emotionaler Stress

Ein Indiz für die Symptome der Vestibularisparoxysmie

Emotionaler Stress ist auch dafür verantwortlich, wie sich die Schwindelattacken der Vestibularisparoxysmie äußern und wann sie auftreten. Denn Vestibularisparoxysmie kommt und geht mit ihren Symptomen, wann sie will. Man könnte schon meinen, das macht sie doch mit voller Absicht. Gerade dann, wenn ich morgens ohne Schwindel erwache und die ersten Sonnenstrahlen genieße, brauche ich nicht lange warten und die ersten Schwindelattacken läuten den Tag ein.

Emotionaler Stress bei jeder Schwindelattacke

Oft bekommen Patienten mit einer Vestibularisparoxysmie den Rat, sie sollten eine Verhaltenstherapie besuchen, da auch emotionaler Stress für eine höhere Intensität der Schwindelattacken sorgen kann. Nicht jeder glaubt an psychische Probleme, denn schließlich wurde anhand des MRT oder nach der Wirkung der Antiepileptika bewiesen, dass die Schwindelattacken einen organischen Ursprung haben.

Zu Beginn der Vestibularisparoxysmie war ich voll überzeugt, dass emotionaler Stress nur was mit dem Arbeits- oder Privatleben zu tun haben kann. Bis mich ein Arzt mal eines Besseren belehrte. Wer Schwindel hat, und dabei spielt die Art keine Rolle, setzt sich emotionalem Stress aus. „Der Körper ist den ganzen Tag in Alarmbereitschaft, versucht das Gleichgewicht zu halten, und verbraucht Energie bei jeder noch so kleinen Schwindelattacke. Viele Patienten fühlen sich demnach nach solch einem schwindelgeprägten Tag regelrecht erschöpft“. Das macht irgendwie Sinn: Auch sind nach Schwindelattacken Verspannungen an der Halswirbelsäule oder am Rücken in Höhe der Schulterblätter nicht selten.

Unterschiedliche Auswirkungen auf den Schwindel

Emotionaler Stress kann natürlich auch in Form von privaten oder beruflichen Problemen zur Verschlimmerung der Schwindelattacken beitragen. In dieser Zeit wird es umso wichtiger, spezifisch darauf zu achten, was der Auslöser dafür ist, um diesen zu minimieren, abzustellen oder nach Bedarf in einer Psychotherapie zu besprechen. Nicht jeder Mensch ist gleich. So äußern sich die Schwindelattacken bei jedem Vestibularisparoxysmie-Patienten individuell, als Dreh- Schwank- und /oder Benommenheitsschwindel. Der emotionale Stress kann sich demnach in unterschiedlichen Intensitäten auswirken.

Emotionaler Stress besteht u. a. beim Einkaufen, bei Amtsterminen oder Arztbesuchen. Schließlich möchte man doch das Bestmögliche erreichen, sei es den kompletten Einkauf zu bekommen, beim Amtstermin nicht lange warten zu müssen und einen für sich hilfreichen Arztbesuch zu haben. Jede Aufgabe hat ihren eigenen Stress – natürlich kommt es darauf an, inwieweit sich auch Ängste diesem Weg angenommen haben. Auch hierbei sind wir wohl alle individuell. Für den einen ist es wichtig, so schnell wie möglich und schwindelfrei seine Aufgaben erledigen und unbeschadet überstehen zu können und für den anderen steht es im Vordergrund seine Schwindelattacken der Vestibularisparoxysmie wenigstens für diese Zeit mal beiseite schieben zu können, um entspannt zu shoppen.

Emotionaler Stress ist bei der Vestibularisparoxysmie immer dabei, mal mehr und mal weniger. Umso wichtiger ist es, dass sich jeder positive Momente schafft, um in schwindelgeprägten Zeiten davon profitieren zu können.

Lösungen für positive Momente

Es ist immer wichtig, den genauen Auslöser für den Stress zu finden und diesen so schnell wie möglich abzuschalten. Dabei ist Ruhe der wohl wichtigste Faktor. Konfliktbewältigungen und neuer Stress sind dabei nicht förderlich, sondern eher hinderlich und provozieren die nächsten Schwindelattacken. Um zur Ruhe zu kommen, braucht es Geduld und zwar ganz viel davon. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass ich die ersten Tage Ruhe damit verbracht habe, mich zu ärgern, warum es mir nicht besser geht. Diese Gedanken solltest Du so gut es geht, beiseite schieben, Dich versuchen abzulenken (nur mit positiven Dingen!) und Dir Deine eigene gedankliche Wohlfühlinsel schaffen. Zur Unterstützung gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Meditation, die auch virtuell und kostenfrei nutzbar sind.

Auch immer wiederkehrende Gedanken an die letzte heftige Schwindelattacke solltest Du einfach vergessen. Lösche diese aus Deinem Gedächtnis. Denn nichts ist schlimmer, als daran zu denken, dass es Dir nicht gut ging, Du nicht in der Lage warst, geradeaus zu laufen oder im schlimmsten Fall gestürzt bist. Solche Gedanken lösen Stress aus und lassen sich nur schwer für immer aus dem Gedächtnis verbannen.

Was zählt und wirkt sind:

  • nur positive Gedanken, über den letzten Urlaub, lustige Treffen mit Freunden
  • ein gutes Buch
  • Lieblingsmusik
  • Filme (nur mit entspanntem Szenenwechsel!)
  • Aufenthalt an der frischen Luft (Ja, es kann an besonders schlimmen Tagen sehr schwer sein. Frage Freund*innen, ob Du Unterstützung beim Spaziergang bekommst)
  • leichte Gleichgewichtsübungen (bitte mit Möglichkeiten zum Festhalten)
  • gutes Essen
  • Ruhepausen im Bett oder auf dem Sofa

Kannst Du Dich ein paar Tage gut entspannen, werden die heftigen Schwindelattacken der Vestibularisparoxysmie von alleine wieder gehen. Bist Du Dir unsicher oder halten diese trotz der Ruhephase länger an, kontaktiere Deinen behandelnden Arzt!