Auf dem SofaAuf dem Sofa

Das Rumlümmeln auf dem Sofa – es gibt wohl nichts Schöneres in kalten Jahreszeiten. Dabei kommt es nicht mal darauf an, wie man selbst rumlümmelt – liegend, Beine auf die Lehne, halb sitzend und wieder liegend, auf dem Kissen, mit Decke oder ohne. Denn wer an Vestibularisparoxysmie leidet, wird auch auf dem Sofa nicht von Schwindelattacken verschont.

Gemütlichkeit trotz Vestibularisparoxysmie

Ich mache es mir gerne so richtig gemütlich. Dazu gehört für mich eine Decke, mehrere Kissen, eine Tasse Kaffee und wenn möglich auch ein Film, der mich berührt. Seitdem ich an Vestibularisparoxysmie leide, hat für mich Gemütlichkeit schon eine ganz andere Bedeutung. Ich fühle mich mit allen Dingen wohl, wenn Schwindelattacken ausbleiben. Viele Patienten berichten davon, dass der Schwindel auftritt, sobald sie den Kopf nach hinten halten, beispielsweise, um sich eine Sehenswürdigkeit anzuschauen. Auf dem Sofa treten auch diese Schwindelattacken auf, wenn die Halswirbelsäule gestreckt ist. Das heißt, beim Rumlümmeln sitzt wohl niemand im 45° Winkel angestrengt auf dem Sofa. Ich liege immer halb, so ist die Halswirbelsäule eingeknickt und der Hinterkopf lehnt an der Lehne. Es dauert nicht lange und die ersten Schwindelattacken machen sich bemerkbar.

Schwindel auspendeln lassen

Jeder empfindet diese Schwindelattacken der Vestibularisparoxysmie anders und liegt oder sitzt wohl auf dem Sofa so, wie es ihm gerade gefällt und wie er sich wohlfühlt. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich wenigstens halbwegs an den Schwindel gewöhnt habe und natürlich auch, um abzuschätzen, wann Schwindelattacken auftreten könnten. Da mir das Rumlümmeln auf dem Sofa gar nicht bekommen ist, habe ich mir ein riesiges Kissen (Größe der Lehnenhöhe) gekauft, was an der Couchlehne lehnt. So werde ich immer daran erinnert, dass ich mich gerade hinsetzen sollte.

Es gibt Tage, an denen gibt die Vestibularisparoxysmie irgendwie keine Ruhe, sodass ich mir das Rumlümmeln auf dem Sofa doch ersparen kann. Wichtig ist dennoch, aus dem Sitzen oder Liegen nicht sofort aufzuspringen. Der Kreislauf mag diese schnellen Bewegungen aus dem Ruhezustand nicht und die Vestibularisparoxysmie freut sich schon wieder insgeheim, dass sie so richtig loslegen kann. Bevor ich vom Sofa aufstehe, bleibe ich wenigstens kurrzeitig gerade sitzen und lasse den Schwindel in Ruhe auspendeln.

Gemeinsam auf dem Sofa

Natürlich gehört mir das Sofa nicht allein, sodass es schon vorkommt, dass auch andere Personen darauf sitzen. An manchen Tagen bin ich aber so sensibel, dass ich es merke, wenn eine andere Person anfängt, leicht auf dem Sofa zu wippen. Das kann im Redefluss sein, wenn die- oder derjenige mit Händen und Füßen erzählt. Viele merken das nicht, wahrscheinlich auch, weil sie selbst nicht an Schwindel leiden. Ich habe es mir angewöhnt, die Person zu bitten, etwas entspannter zu erzählen. Bin ich zu Besuch, so nutze ich die Möglichkeit, mich allein in einen Sessel oder auf einen Stuhl zu setzen.

Pipi Langstrumpf hatte recht mit ihrem Liedtext: „Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt …“. Als Satzende könnte auch stehen: „… und so, wie ich es kann.“