Antrag stellen auf GdB bei Vestibularisparoxysmie

Mit der Diagnose Vestibularisparoxysmie hast du die Möglichkeit, einen Antrag auf Grad der Behinderung zu stellen. Bei der Vestibularisparoxysmie handelt sich um eine chronische Erkrankung und die Lebensqualität kann leicht bis schwer beeinträchtigt sein. Welchen GdB kannst du mit einer Vestibularisparoxysmie bekommen? Und wo kannst du den Antrag stellen?

Was bedeutet Grad der Behinderung (GdB)?

Als ich das erste Mal vom GdB hörte, war mir ehrlicherweise schwindlig. Denn einen Grad der Behinderung zu haben, heißt doch: ich bin chronisch krank. Das lässt sich leider nicht anders sagen. Aber wenn wir es richtig nehmen, können wir vom Grad der Behinderung profitieren. Der eine mehr, der andere weniger.

Es geht um die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Bei einem Grad der Behinderung wird die Schwere der Behinderung, seelisch oder körperlich oder beides eingestuft. Dabei nutzt das Versorgungsamt die Einstufung in Zehnerschritten (mindestens 20,30,40 usw.).

  • Ab GdB 20 ist eine Steuerermäßigung möglich. Auf Antrag (Einkommen- und Lohnsteuer) wird ein pauschaler Freibetrag genehmigt. Ob und in welcher Höhe ist aber abhängig von der Höhe des GdB. Im Zuge der Steuererklärung können außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Diese kommen beispielsweise bei einer Haushaltshilfe in Frage. (Bei Beanspruchung einer Haushaltshilfe wäre bei einer Vestibularisparoxysmie ein Antrag auf einen Pflegegrad zu prüfen.)
  • Ab GdB 30 (auch GdB 40) gibt es im Arbeitsleben rechtliche Vorteile, dazu gehört die Gleichstellung. Mit dem GdB 30 und dem Antrag auf Gleichstellung (bei der Agentur für Arbeit) hast du als Arbeitnehmer den gleichen Schutz des Behindertenrechts wie ein Schwerbehinderter – ausgenommen Zusatzurlaub.
  • Ab GdB 50 (Merkzeichen möglich) handelt es sich um eine Schwerbehinderung nach § 2 Abs. 2 SGB IX. Als Arbeitnehmer erhältst du Steuerfreibeträge, Eintrittsermäßigungen im Kino, Theater, Museum, etc. und kannst Abteile und Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen, die schwerbehinderten Menschen vorbehalten sind. Des Weiteren sind Beitragsermäßigungen in Vereinen und Interessenverbänden möglich.

Die Liste des möglichen GdB geht weiter bis 100. Allerdings möchte ich die Abschnitte hier auslassen, denn für die Vestibularisparoxysmie (nur Schwindelsymptome, mit wenig Einschränkung im Alltag) ist ein GdB im unteren Bereich vorgesehen. Luft nach oben gibt es immer. Leidest du an der Vestibularisparoxysmie und bist sehr stark eingeschränkt (Bsp.: Du musst am Rollator gehen oder sitzt im Rollstuhl), wäre ein Sozialverband für die Antragstellung der richtige Ansprechpartner. Um den geeigneten Sozialverband zu wählen, gebe in die Suchmaschine „Sozialverband Grad der Behinderung“ ein. Die Hilfe eines Sozialverbandes kannst du natürlich auch unabhängig des zu erwartenden GdB in Anspruch nehmen.

Antrag GdB stellen

Der Antrag auf GdB sollte immer schriftlich beim zuständigen Versorgungsamt eingereicht werden. Das Antragsformular kannst du in der Regel auf der Webseite des Amtes downloaden und ausdrucken. Solltest du diese Möglichkeit nicht haben, könnte dir dein behandelnder Facharzt ein Formular aushändigen oder du kannst dir einen Antrag beim Versorgungsamt vor Ort abholen.

Es ist wichtig, dass das Formular genau und mit den richtigen Angaben ausgefüllt ist. Zusätzlich sollten alle geforderten Unterlagen in Kopie mit eingereicht werden: Befunde deines behandelnden Arztes oder deiner Ärzte, Rehaberichte und Gutachten. Liegt ein Befund nicht vor, wird sich das Versorgungsamt dieses beim Arzt anfordern. Namen, Adressen und Telefonnummern deiner Ärzte sollten leserlich im Antrag stehen.

Nach Einreichung des GdB Antrages brauchst du etwas Geduld. Je nach Arbeitsaufwand kann sich ein Bescheid mehrere Monate hinziehen. Einige Versorgungsämter veröffentlichen auf ihrer Webseite die ungefähre Bearbeitungszeit.

In einigen Städten nennt sich das zuständige Amt „Versorgungsamt“. Es gibt aber auch Bundesländer, in denen der Antrag beim Landratsamt oder in der Stadtverwaltung eingereicht werden muss.

Vestibularisparoxysmie: GdB 20

Ja, du hast die Überschrift richtig gelesen: Es gibt für die Vestibularisparoxysmie nur einen GdB 20. Dabei geht es um eine leichte Minderung der Lebensqualität anhand des Schwindels, hast keine weiteren Symptome (Tinnitus oder Hörminderung), du kannst laufen ohne Hilfsmittel, nimmst Medikamente (deren Wirkung bereits nachgewiesen ist) und gestaltest deinen Alltag nach deinen Möglichkeiten. Dabei geht es nicht darum, ob du schon morgens mit Schwindelattacken aufstehst und wie du zur Arbeit kommst. Es geht vielmehr darum, inwieweit du regelmäßig von der Vestibularisparoxysmie eingeschränkt bist.

Es ist ein bisschen zum Verzweifeln, denn wir wissen, die Symptome der Vestibularisparoxysmie kommen wann sie wollen und so oft sie wollen, sie kommen in Phasen und in unterschiedlicher Intensität, auch mit Medikamenten.

Widerspruch gegen GdB-Bescheid

Den ersten Bescheid mit einer dicken „20“ drauf, konnte ich nicht akzeptieren. Ich habe es nicht eingesehen, denn schließlich muss ich leiden, mal mehr und mal weniger. Ich habe Widerspruch eingelegt und meine Erkrankung und mein Allgemeinbefinden ausgiebig erörtert. Der Widerspruch wurde abgelehnt. Der nächste Schritt wäre ein Klageverfahren beim Sozialgericht. Diesen Schritt bin ich nicht gegangen, nicht wegen eines niedrigen GdB. Dafür sind und waren mir meine Nerven zu schade. Denn ich weiß: Stress fördert meine Schwindelattacken.

Verschlimmerungsantrag stellen

Nach frühestens einem halben Jahr nach der letzten Antragstellung des GdB kannst du einen Verschlimmerungsantrag / Änderungsantrag beim Versorgungsamt stellen. Dieser Antrag ermöglicht das Hochstufen des GdB. Wie der Name schon sagt, müsste sich die Grunderkrankung verschlimmert haben – wie beispielsweise: es kam Tinnitus oder eine Hörminderung hinzu oder die Intensität, Dauer oder Häufigkeit des Schwindels haben sich merklich negativ verändert.

Der Verschlimmerungsantrag ermöglicht auch, anderweitige (neue) Erkrankungen zu nennen. Aber: Es müssen in jedem Fall neue Befunde beim Arzt vorliegen. Alte Befunde, die bereits für den Antrag auf GdB genutzt wurden, können nicht nochmal eingereicht und berücksichtigt werden.

Je nach bereits zugeordneten GdB (ab 50) kann der Verschlimmerungsantrag auch für die Feststellung eines neuen Merkzeichens verwendet werden.

Bist du mit dem Bescheid des Verschlimmerungsantrages nicht einverstanden, hast du die Möglichkeit eines Widerspruchs.