Warum eine ausführliche Anamnese so wichtig ist

Als Schwindelpatient ist man auf eine ausführliche Anamnese angewiesen, denn gerade bei Schwindel gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Da kann sich jeder über eine Anamnese freuen, die zielgerichtet ist und auch auf Dauer Hand und Fuß hat.

Anamnese – medizinische Diagnostik

Arztbesuche können bei Schwindel zu einer wahren Odyssee werden. Das erste Mal mit einem Schwindel zum Arzt zu gehen, ist wie ein Besuch im Zoo. Als Besucher hat man eine geschärfte Beobachtungsgabe, ist ganz entzückt wie die Tiere schnell und lustig im Gehege hin- und herhüpfen oder nur so dasitzen und den Besucher, durch den Zaun erwartungsvoll anschauen. Nun könnte man sich fragen, wer in diesem Beispiel wohl der Arzt und wer der Patient ist.

Aber mal ganz abgesehen, von diesem eher belustigten Beispiel: Beim ersten Arztbesuch möchte jeder Hilfe, egal ob gegen Schwindel oder Schmerzen. Tiere können leider nicht sagen, was ihnen fehlt, aber wir können es. Dennoch kann eine schnelle und gezielte Therapie, gegen den Schwindel nur nach ausreichender Anamnese erfolgen. Diese beinhaltet das intensive Gespräch mit dem Patienten und etliche Untersuchungen, denn die Ursachen von Schwindel können so vielfältig sein.

Erster Arztbesuch mit Schwindelkopf

Ich erinnere mich an meinen ersten Arztbesuch mit meinem Schwindelkopf und eher wackligem Gang, als hätte ich den Abend zuvor zu tief ins Glas geschaut. Es folgte ein ärztliches Gespräch mit vielen Fragen:

  • Seit wann haben Sie Schwindel?
  • Wann ist dieser das erste Mal aufgetreten? Was haben Sie da gerade gemacht?
  • Ist es ein Dauerschwindel oder sind es eher Schwindelattacken?
  • Wie viel Kaffee trinken Sie pro Tag?
  • Hat sich an Ihrer Lebensweise gerade etwas geändert?
  • Wie fühlen Sie sich sonst, mal abgesehen vom Schwindel?

Vorführeffekt beim Arzt

Alle Fragen habe ich artig beantwortet und wie es eben auch so ist, der Vorführeffekt ließ nicht lange auf sich warten. Den berüchtigten Vorführeffekt kennt wohl jeder und hat diesen zumindest bei einer Autopanne schon mal erlebt. Mitten auf der Landstraße bleibt die Karre stehen und helfen kann nur ein Pannendienst. Kaum kommt dieser um die Ecke gefahren, springt das Auto wieder an und läuft, als wäre nie etwas gewesen. So ging es auch mir.

  • Haben Sie gerade Schwindel?
  • Jetzt?
  • Vielleicht aber jetzt?
  • Wenn ich jetzt Ihren Kopf drehe, müssen Sie mir sagen, wann der Schwindel auftritt!
  • Ich schüttel jetzt Ihren Kopf und Sie schauen mir gleich mal direkt in die Augen!
  • Ich kippe Sie mal nach links und dann nach rechts. Halten Sie bitte die Augen dabei geöffnet!
  • Laufen Sie mal bitte von hier vorne zum Fenster, mit geschlossenen Augen!
  • Schließen Sie bitte Ihre Augen und führen den Zeigefinger zur Nasenspitze!

Was soll ich sagen? Nichts. Kein Schwindel, kein Unwohlsein, nichts. Es folgte eine Blutdruckmessung. Oh welch ein Wunder, ich hatte etwas erhöhten Puls. Dieser lässt sich natürlich schnell darauf zurückführen, dass ja doch etwas Aufregung dabei ist.

„Macht ja nichts, hat jeder mal. Entspannen Sie sich! Wenn der Schwindel wiederkommt, müssen wir genauer hinschauen. Auf Wiedersehen!“

Und das war mein erster Besuch beim Arzt. Zuerst dachte ich, man würde mich nicht ernst nehmen. Im Nachhinein aber, muss ich ehrlich sagen, dass selbst Fragen und ausführliche Gespräche zu einer richtigen Anamnese gehören. Und das war der Fall. Grundlegend wurde zu Beginn alles ausgeschlossen, was vielleicht lebensbedrohlich sein könnte, wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Ähnliches. Und erst dann folgen weitere Untersuchungen, wenn der Schwindel keine Ruhe gibt.

Anamnese Schwindel

Eine ausführliche Anamnese bedeutet auch das Sammeln von Fakten und das Suchen im Labyrinth der Medizin. Mit Informationen vom Patienten kann die Ursache des Schwindels schneller gefunden werden.

Beim nächsten Arztbesuch wurde ich zum Neurologen geschickt, um die Halsschlagadern, mittels Sonografie (Ultraschall) anschauen zu lassen. Und selbst dieser Neurologe führte eine ausführliche Anamnese durch, um dann eine Überweisung zum MRT, mit Angabe der Verdachtsdiagnose auszustellen. Bei ihm spielten andere Faktoren eine Rolle, wie die neurologische Sichtweise und weitere gezielte Fragen.

Vermutung und Wirkung – Vestibularisparoxysmie

Die Anamnese ist entscheidend für die richtige Diagnose sowie dessen Therapieverlauf. Immer wieder berichten Patienten mit Schwindel, dass die ausführliche Anamnese gefehlt hat und der Schwindel schon von Beginn an auf psychische Probleme geschoben wurde. Ist man als Patient aber erst mal in dieser „Schublade“, so fällt es ihm und den nachfolgend behandelnden Ärzten umso schwerer, den Weg wieder daraus zu finden.

Natürlich gehören Fragen zu psychischen Problemen mit zur Anamnese. Denn kein Facharzt kann vor dem Gespräch oder weiteren Untersuchungen die genaue Ursache des Schwindels kennen. Viele Schwindelerkrankungen können aber anhand ihrer Leitlinien schnell erkannt und behandelt werden. Die Vestibularisparoxysmie zu diagnostizieren, ist leider umso schwerer. Denn hierbei müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen, um die Vermutungsdiagnose zumindest zu festigen.

  • Schwindelart
  • Eventuelle Darstellung eines Gefäß-Nerv-Kontaktes auf dem MRT (Aber: Nicht jeder Gefäß-Nerv-Kontakt lässt sich optimal mit diesem Verfahren darstellen!)

in Verbindung mit:

  • Wirkung von Antiepileptika (nur, wenn deren Wirkung – oftmals schon in geringen Dosierungen- vorhanden ist, wird von einer Vestibularisparoxysmie ausgegangen).

Da die Vestibularisparoxysmie eine Schwindelerkrankung ist, die in der Relation zu anderen Schwindelerkrankungen relativ selten vorkommt und eher auf Vermutungen bzw. wenigen Fakten (MRT/Wirkung Antiepileptika) basiert, ist die ausführliche Anamnese umso wichtiger. Als Schwindelpatient sollte man daher, sich und den Schwindel genauer beobachten, um Ärzten so präzise Informationen wie möglich geben zu können. Ein Schwindeltagebuch kann zu einer optimalen Anamnese beitragen, die schnell und gezielt zur Diagnosefindung beiträgt.