Corona: Was der Schwindel in der Krise mit uns macht

Überall steht Corona und irgendwie lässt uns das Virus in den letzten Tagen und Wochen nicht mehr los. Mein Schwindel besteht schon seit Jahren, bei einigen Vestibularisparoxysmie-Patienten schon seit Jahrzehnten. Und nun müssen wir uns Patienten auch noch zusätzlich mit einer Pandemie auseinandersetzen. Was macht in dieser Zeit der Schwindel mit uns und wie kommen wir durch diese Krise?

Sorgen und Ängste bestimmen derzeit unseren Alltag

Ich habe eine Weile überlegt, ob ein Blogbeitrag in diesen Zeiten überhaupt angemessen ist. Denn schließlich laufen TV und Radio jeden Tag auf Hochtouren. Die Informationsflut ist überwältigend und stündlich zeigt die Nachrichten-App auf dem Handy neue Infos über Corona. Nicht zu vergessen sind die Nachrichten und Anrufe von Freunden und Verwandten. Und ich könnte wetten; fast überall gibt nur ein Thema: das Coronavirus.

Einkaufen ist derzeit so eine Sache. Keiner will sich in Menschenmassen stürzen und Klopapier und Mehl sind eh ausverkauft (kleiner Sarkasmus am Rande). Mit dem Schwindel ist das sowieso so eine Sache. Einkaufen hat nie wirklich Freude gemacht und ganz ehrlich: So ein bisschen Angst war immer dabei. Ständig kam der Schwindel, wann er wollte – inmitten der Supermarktgänge, an der Fleischtheke und an der Kasse. Da kommt die derzeitige Krise meiner Angst gerade recht. Wer als Schwindelpatient Ängste beim Einkaufen hatte, wird diese natürlich jetzt umso mehr schüren. Gerade, wenn er Zuhause bleibt und andere einkaufen lässt.

Aber nicht nur der Einkauf macht uns Schwindelpatienten derzeit Sorgen. Die Informationsflut an schlechten Nachrichten, wie Zahlen von Neuinfizierten und Todesfällen, Grenzschließungen und das Eindämmen sozialer Kontakte. Wer soll denn da noch schwindelfrei bleiben? Jeder von uns „tickt“ anders und so kommen womöglich andere Ängste und Sorgen hinzu: „Werde ich krank?“, „Bin ich Risikopatient?“, „Sind meine Lieben geschützt?“, „Wird mein Arbeitgeber in Insolvenz gehen?“, „Kann ich meine Miete noch bezahlen?“.

Welche Sorgen ich als Vestibularisparoxysmie-Patientin habe

Ich möchte hier nicht vorenthalten, dass auch ich mir Sorgen mache und momentan jeder Tag aufs Neue anders ist. Aufgrund der Vestibularisparoxysmie habe ich mich damals für die Selbstständigkeit entschieden. Ich bin Texterin und Mediengestalterin und arbeite für kleine und mittelständische Unternehmen. Meine Auftragsbücher sind voll. Aber dennoch überlege ich mir jeden Tag, ob meine Kunden nächste Woche noch am Markt sind und ob sie weiterhin zahlungsfähig bleiben. Als Selbstständiger hat man natürlich immer Existenzsorgen. Aber diese Krise „schafft“ den stärksten Unternehmer – da können die Auftragsbücher noch so voll sein.

Psychisch würde ich meine derzeitige Situation als sehr angespannt bezeichnen. Das äußert sich in Unruhe und erhöhten Pulsschlag, der bereits morgens schon einsetzt, wenn ich die Augen aufmache. Was bei hohem Puls in Hinsicht der Vestibularisparoxysmie passiert, brauche ich hier wahrscheinlich nicht erwähnen.

Wie kommen wir Schwindelpatienten nun durch diese Krise?

Während all dem Wahnsinn kümmert man sich noch nebenbei um seine Lieben. Auch jetzt treten vermehrt Sorgen auf, was ich total menschlich finde. Mit Schwindel, unterschiedlichen Sorgen und Ängsten versuchen wir jeden Tag, das Beste zu leisten. Wer dabei noch an sich denkt, ist ganz weit vorne. Das macht es in diesen schweren Zeiten natürlich auch nicht besser, aber es beruhigt. Und Beruhigung wirkt sich längerfristig positiv auf unser Herz-Kreislauf-System und somit auf die Intensität der Symptome der Vestibularisparoxysmie aus.

  • Strukturen schaffen – Ob in Quarantäne oder nicht, Strukturen sind im Allgemeinen besonders wichtig. Sie leiten uns den Weg, lassen uns unsere Ziele schneller erreichen und wirken sich zudem positiv auf unsere Psyche aus. Die tägliche Informationsflut kann einen schon mürbe machen. Es bietet sich an, feste Tageszeiten festzulegen, um sich zu informieren. Jeden Morgen und Abend werden Informationen des Tages in den Nachrichten (TV und Radio) zusammengefasst.
  • Lösungen finden – Derzeit sind wir in Deutschland gezwungen, soziale Kontakte einzuschränken. Für viele ist das besonders schlimm. Gerade wir Vestibularisparoxysmie-Patienten freuen uns, wenn wir das Haus verlassen und uns mit Freunden oder bei Veranstaltungen amüsieren können. Jetzt müssen Lösungen her!
    • Skype ist eine tolle Gelegenheit, mit Freunden zu kommunizieren und wer mag, kann das sogar stundenlang!
    • Viele Veranstalter bieten Konzerte oder Aufführungen per Videoübertragung an. Tolle Idee! Auf dem heimischen Sofa darf man wenigstens genüsslich Chips knabbern, ohne zu stören.
    • Jetzt ist Zeit für den Lieblingsfilm, entweder von der DVD oder per Videoanbieter aus dem Internet. Dazu eine kurze Bemerkung: Mit der Vestibularisparoxysmie ist das Filmschauen manchmal etwas schwierig. Dabei geht es um schnelle Szenenwechsel. Nicht jeder Tag ist gleich, deswegen einfach die beste Tagesform für seinen Lieblingsfilm auswählen!
    • Wann habe ich eigentlich das letzte Mal gelesen? Es stehen so viele Bücher im Regal und warten nur auf mich. Jetzt ist doch Zeit dafür. Wer jetzt Zuhause ist und nicht arbeiten muss, kann sich sogar sein Lieblingsbuch an den Frühstückstisch holen. Wer jetzt sagt: „Na sowas macht man aber nicht!“, bekommt die Gegenfrage: „Warum eigentlich nicht?“.
  • Einkaufen gehen – Auch wenn wir nun alle irgendwie an unser Zuhause gebunden sind, ernähren müssen wir uns auch. Wer derzeit nicht unter Quarantäne steht und sonst gesundheitlich fit ist, sollte seine Einkäufe erledigen. Ja, die Angst darf mit, aber nur in der Hosentasche, woanders ist dafür kein Platz. Ich belohne mich bei jedem Einkauf. Es gibt so viele kleine Dinge, die Freude bringen. So landen auch mal Gummibärchen, Schokolade, Eis oder eine Zeitschrift im Einkaufskorb. Schließlich soll man auch an sich denken!
  • Nicht grübeln! – Wer grübelt, hat schon verloren! Der Schwindel freut sich umso mehr, wenn wir nur dasitzen und über all die Dinge nachdenken, die uns gerade Sorgen bereiten. In solchen Situationen ist Ablenkung gefragt. Wünsche und Ziele für die Zukunft aufschreiben, ist da die perfekte Möglichkeit. Aber nicht nur untereinander in Stichpunkten, sondern als Mind Map (grafische Darstellung). Dafür gibt es auch kostenfreie Onlinetools. In der Mitte steht das Hauptthema „Meine Wünsche“ oder „Meine Ziele“. Kreative gestalten ihr Werk noch farbig. Ein Tipp: Eine Mind Map kann über einen langen Zeitraum wachsen. Wer seine Ziele vor Augen haben möchte, hängt sich sein persönliches Kunstwerk an die Wand.

In dieser schweren Zeit ist es für uns Vestibularisparoxysmie-Patienten besonders wichtig, zur Ruhe zu kommen. Sorgen und Ängste sorgen für psychischen Stress, der sich längerfristig negativ auswirkt. Im Umkehrschluss stehen wir morgens schon mit Schwindel auf und gehen abends wieder mit ihm ins Bett. Und davon hatten oder haben wir doch bereits genug.

In diesem Sinne: Bleibe gesund und passe auf Dich auf! Komme schwindelfrei durch diese Zeit! Und wer weiß: Vielleicht schmückt eine Mind Map schon bald Deine Wand?!